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Am 8.Mai 2000 sind wir, Monika und Ermanno, mit einer sechsstündigen Verspätung von Zürich nach Abidjan abgeflogen.
Die ersten 5 Tage unseres Aufenthaltes in der Elfenbeinküste haben wir in Abidjan und im Centre Suisse verbracht.
Abidjan ist eine sehr chaotische Stadt. Dafür ist sie auch sehr faszinierend. Die Strassen werden im Laufe des Tages zu riesigen Maerkten. An jeder Ecke werden Esswaren verkauft und auf der Strasse vom Auto aus, kann man ein ganzes Haushaltsinventar kaufen. Die Gerüche dieser Stadt sind eine Mischung von Meer, Natur, Abgase und Kompost. Die Stadt ist ein grosses Durcheinander, aber es funktioniert: Leute, Autos, Büsse, Alles lauft einfach kreuz un quer. Die "öffentlichen" Verkehrsmittel in Abidjan sind eigentlich recht gut. Es gibt ein sehr gut ausgebautes Taxi System. Das einzige Problem ist, dass man wissen muss wie dies funktioniert, um es benutzen zu können.
Das Essen in der Elfenbeinküste ist schon ein bisschen anders als in Europa. Die
Grundnahrungsmittel sind Maniok, Yam, Kochbanane, Reis, Mais und Hirse. Jene werden in
verschiedenen Formen und immer zusammen mit einer Sauce gegessen.
Einige typische ivorianische Gerichte sind Foutou (gestampfte Kochbananen, Maniok oder Yam),
Attieke (fermentierter Maniok) und Alloco (fritierte Kochbananen). Ein Kapitel für sich
sind die Früchte: Ananas, Mangos, Bananen, Papayas usw. schmecken unbeschreiblich gut!
Unsere erste Reise mit dem Bus führte uns nach San Pedro. Die Fahrt war sehr angenehm. Bei jedem Halt des Buses kamen die Leute aus der Umgebung und verkauften Wasser, geräuchterte Fische oder Fleisch, Kuchen, Schnecken und vieles mehr. Dankend haben wir die meisten Esswaren abgewiesen und gaben uns mit unseren Petit Beurre und dem Brot zufrieden, welche wir jeweils vor Abfahrt gekauft hatten.
Am nächsten Tag ging unsere Reise weiter nach Dawa, ein kleines Dorf am Atlantik, in der Nähe von Grand Bereby. Da Dawa und Umgebung ein idealer Badeort ist, gibt es an verschiedenen Orten Hotels und Bungalows für Touristen. Da die Regenzeit gerade begonnen hatte, waren wir die einzigen Gäste. Trotz Bewölkung und Regen genossen wir die Tage am Strand.
Wir haben in einer Art Camping aus Bungalows übernachtet. Die Bungalows waren wie afrikanische Häuser gebaut und sehr einfach eingerichtet: ein Tisch, ein Stuhl und ein Bett mit Moskitonetz.
Die Einfachheit und die Ruhe in Dawa hat uns sehr gefallen. Es war der ideale Ort zum Entspannen und Meditieren. Unser Bungalow stand nur 10 Meter vom Meer entfernt und man hörte die ganze Nacht das Rauschen der Wellen.
Die Rückreise nach Abidjan verlief nicht ganz so rund wie die Hinfahrt. Anstelle eines grossen Linienbusses wurden wir zur Fahrt in einem Minibus überredet. Der Minibus sah zwar sehr neu aus im Vergleich zu anderen, aber trotz scheinbar gutem Zustand hatten wir nach einigen Stunden Fahrt die erste Panne. Nach langem hin und her konnte der Schaden schliesslich mit Hammer und Zange behoben werden.
In Abidjan angekommen, bezogen wir ein Zimmer in einem Stundenhotel in Yopougon. Als laenger bleibende Gaeste wurden wir im Hotel auf dem vierten Stock einquartiert: die sogenannte Ruhezone. Nach den ruhigen Tagen in Dawa war das Wiedereinleben in Abidjan recht schwierig. Wenn wir uns nicht im Centre Suisse aufhielten, wo es ebenfalls recht ruhig war, nutzen wir die Vorteile der Grossstadt und wechselten Traveler Cheques, kauften verschiedene Sachen für die Reise und erste Souvenirs.

Am Sonntag 28. Mai verliessen wir Abidjan und fuhren ins Landesinnere nach Bringakro. Bringakro ist ein Dorf in einem Yam-Anbaugebiet. Da die Lagerung von Yam recht heikel ist, gibt es seit Jahren verschiedene Projekte zur Verlängerung der Lagerfähigkeit von Yam. Aus diesem Grund richtete das Centre Suisse in Bringakro eine Forschungsstation ein. Die Forschungsstation bietet Wohnmöglichkeiten für Forschende und hat ein kleines Labor. In Bringakro wird hauptsächlich Feldarbeit betrieben.
In den meisten afrikanischen Dörfern leben die Menschen sehr eng mit der Natur zusammen. Sie sind grösstenteils Selbstversorger und essen was sie anpflanzen und jagen. Oft ist die Ernährung in den Dörfern recht einseitig. Da Bringakro zu einem modernen Dorf gehört, das elektrisch erschlossen ist, ist die Nahrungsvielfalt etwas grösser. Neben Gemüsen und Früchten aus anderen Regionen sind auch industrielle Lebensmittel aus der Stadt erhältlich.

Unsere Reise führte uns weiter nach Yamoussoukro, der offiziellen Hauptstadt der Elfenbeinküste. Yamoussoukro ist ein aufgemotztes Dorf, das als Stadt sehr ruhig und angenehm ist. Die sechsspurigen Strassen sind praktisch autofrei und menschenleer. Yamoussoukro wurde vor ein paar Jahren im Auftrag des ehemaligen Präsidenten Houpouet Poigny aufgebaut und ist nun im Wachstum begriffen. Da die Verstädterung in Afrika unaufhaltsam voranschreitet, wird Yamoussoukro wohl bald nicht mehr so leer sein wie zur Zeit.
Die Hauptattraktion in Yamoussoukro ist die Basilique, die eine Kopie des San Petersdom in Rom darstellt, aber ganze 10 Meter höher ist. Weiter gibt es eine Technische Hochschule, die sehr gut aussieht und hoffentlich auch so gut ausgerüstet ist.
Von Yamoussoukro fuhren wir weiter Richtung Norden nach Korhogo. Waehrend der Reise konnte man gut die Aenderung der Vegetation, vom südlichen Regenwald zur nördlichen Savanne, mitverfolgen.

In Korhogo war das Klima deutlich tockener und tagsüber heisser. Der Norden der Elfenbeinküste ist noch sehr traditionell und Korhogo ist berühmt für seine Handwerke (handbemalte Batiks, handgewobene Stoffe und verschiedene Holzschnitzereien). Typisch für den Norden sind ebenfalls die vielen Mopets, die in der Stadt herumfahren und die Luft verpesten.
Das nächste Teilstück unserer Reise unternahmen wir mit unserem ivorianischen Freund Amarin, der uns nach Korhogo nachreiste. Weiter Richtung Norden reisend verliessen wir die Elfenbeinküste und kamen nach Mali. Die Reise von Korhogo nach Sikasso in Mali stellte sich als etwas mühsam heraus, da wir mehrmals die Verkehrsmittel wechseln mussten und die meisten davon sehr alt und kaum mehr fahrtauglich waren. Nachdem wir am Morgen punkt 8 Uhr losgefahren sind, verbrachten wir an diesem Tag ausserdem viel Zeit mit warten und erreichten unser Ziel schliesslich abends um 19:00 Uhr, als es schon dunkel war.
Anderntags ging die Reise weiter nach Bamako, der Hauptstadt von Mali. Da es einen grossen Linienbus von Sikasso nach Bamako gab, verlief die Reise bequem und problemlos.
Bamako hat den Ruf die afrikanischste, stinkigste und ärmste Stadt Westafrikas zu sein, was wir nach einem ersten Eindruck bereits bestaetigen konnten. Obwohl die Stadt nicht sehr attraktiv und touristisch ist, gibt es viele Touristenführer, von denen jeder der beste sein will. Wie in Korhogo wimmelte es auch hier von Töffli, die blaue Dunstwolken herausliessen. Die Luft war allgemein sehr trocken und staubig und das Thermometer kletterte tagsüber bis auf 45C. Abends kühlte sich die Luft nur sehr langsam ab und erreichte gegen Morgen um die 25C.
Nach einer Stadtbesichtigung und dem Besuch des Plateaus, von wo aus man eine schöne Aussicht auf die ganze Stadt und den Fluss Niger hat, verliessen wir die Stadt nach zweieinhalb Tagen wieder.
Wir stiegen in den Zug, der direkt vom Bamako nach Dakar fährt.
Der Zug fährt zwei Mal pro Woche und braucht 36 bis 48 Stunden für eine Distanz von 1000 km. Die Reise im Zug war kurzweilig aber unerträglich heiss. Wir verbrachten die Zeit mit trinken, schwitzen, schlafen und aus dem Fenster schauen. Unbewohnte Landschaft und von Verkaufern überfüllte Bahnhöfe wechselten sich auf unserer Reise staendig ab. Da wir immer mehr Richtung Wüste fuhren, wurde die Landschaft kahler und wandelte sich zu einer richtigen Steppe.
Unsere Reise im Zug endete 10 km vor Dakar, da ein Transportwaggon des Zuges aus dem Gleis sprang. Fotografieren durften wir dies leider nicht, da es wohl nicht allzu gute Werbung für die Zuggesellschaft gewesen wäre.
Mit einem Busch-Taxi setzten wir unsere Reise nach Saint Louis fort. Die Reise war sehr
komfortabel und nach der Zugreise ungewohnt schnell (90 km/h).
Auf dem Weg nach St.Louis gewann der Sand mehr und mehr die Herrschaft über die Landschaft.
St.Louis liegt ganz im Norden von Senegal an der Grenze mit Mauritanien, wo sich das Senegal
Delta befindet. Dank des Flusses gibt es ziemlich viel Vegetation und die Region dient als
Zwischenstation für Vögel auf der Reise nach Süden.
Der Hauptteil der Bewohner von St. Louis sind Moslem und die moslemische Kultur ist
unterschiedlich stark spürbar. Auffällig sind die vielen bettelnden Kinder auf der
Strasse, was in moslemischen Laendern allgemein ein Problem zu sein scheint.
Saint Louis ist die Stadt des Jazz und jedes Jahr findet dort ein
Jazz-Festival statt. Wir lernten St Louis als eine ruhige Stadt kennen. Das
Zentrum der Stadt befand sich auf einer Insel inmitten des Senegal-Deltas.
Um die Insel zu erreichen, musste man eine Stahlbrücke überqueren. Auf der anderen Seite war die Insel mit der Halbinsel "Langue de Barbarie" verbunden. Auf dieser Halbinsel befand sich das am dichtesten besiedelte Quartier Westafrikas, wo hauptsächlich Fischer wohnten.
Südlich dieses Wohnquartiers befinden sich die Strände des atlantischen Ozeans und die Touristen-Hotels. Die Strände waren recht schmutzig und das Baden deshalb kein Vergnügen.
Nach einer Woche Aufenthalt in St. Louis sind wir zurück nach Dakar und von dort aus weiter Richtung Süden an die Küste "La Petite Cote" gefahren. Die Küste hatte sehr schöne Strände, ist aber sehr touristisch. Wir verbrachten ein paar Tage in Saly, fanden das Leben in dem von Touristen und Verkäufern überfüllten Ort aber nicht so angenehm und entspannend wie in anderen Teilen Afrikas.
Senegal ist allgemein für seine gute Gastfreundschaft bekannt. Das Essen in Senegal war besser als in Mali, aber auch hier war die Auswahl recht beschränkt. Chey-Bou-jen ist das Nationalgericht der Senegalesen. Es ist ein Gericht aus Reis mit Gemüse und Fisch. Dieses Gericht schmeckte auch nach zwei Wochen immer noch gut. Ansonsten gab es Poulet in verschiedenen Formen und andere Fleischarten mit Pommes Frites. Sehr beliebt ist Poulet Yassa, das ist gebratenes Poulet mit einer Zitronen-Zwiebelsauce und Reis. Da Senegal das Land der Erdnüsse ist, gab es auch dort die Erdnusssauce, die wir bereits von der Elfenbeinküste her kannten.
Von Dakar aus besuchten wir die "Ile de Goree", die mit dem Schiff in 20 Minuten erreichbar ist. Die Ile de Goree war ursprünglich eine Sklaveninsel, von wo aus Männer, Frauen und Kinder nach Amerika exportiert wurden.... eine traurige Seite der afro-europäischen Geschichte.
Dakar scheint eine recht moderne Stadt zu sein. Das Stadtzentrum befinden sich alle Büros und Geschäftshäuser und die Hauptverkaufsstrassen sind während der Woche überfüllt mit Verkäufern und man muss sich durchkämpfen, um von A nach B zu kommen. Ein bisschen ausserhalb von Dakar gibt es schöne Strassen dem Meer entlang und die steilen Hänge übers Meer und die kurvenreichen Strassen erinnern sehr an die Riviera in Genua.
Mit schönen Erinnerungen und dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben, stiegen wir am Sonntag abend 25. Juni ins Flugzeug, das uns pünktlich und sicher wieder nach Hause brachte.

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